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| mwrmb Grün Unter

 | | Anmeldungsdatum: 02.03.2005 | | Beiträge: 290 | | Wohnort: Sonneberg/Nürnberg |
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Verfasst am: Di, 06 Jan 2009 19:35 Titel: Entlang der B89 |
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Im Freien Wort erscheint in unregelmäßigen (oder regelmäßigen?) Abständen die Reihe "Entlang der B89"
Ich denke das passt zum diskutieren hier ganz gut her, deshalb zitiere ich den Artikel über Kohlen Escher hier:
| Zitat: | „Das mit der Kohle kam aber erst viel später“
Der 80-jährige Siegfried Escher erzählt, wie aus der Fuhrunternehmer-Dynastie Escher der „Kohlen-Escher“ wurde
Von Stefan Löffler
Oberlind – Wie oft er schon in seinem langen Leben den steilen Hofzugang rauf gefahren und dann – nach links oder rechts – auf die
Siegfried Escher (80) zeigt ein Foto aus jenen Tagen, als der Fuhrpark seiner Firma noch aus bis zu 39 Lkw bestand. Ein Teil dieses Fahrzeugbestandes war allerdings in anderen Bezirken stationiert und zugelassen. Foto: camera900.de
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B 89 eingebogen ist, um nahen oder fernen Zielen zuzueilen, weiß Siegfried Escher heut’ nicht mehr zu sagen. Er hat es auch nie gezählt. Sicher ist, dass jede Fahrt, die von Eschers Elternhaus und langjährigem Firmensitz aus startet(e), ihn zunächst ein mehr oder minder längeres Stück auf der B 89 entlangführt(e). Sie ist dem Senior, den man in Sonneberg meist nur den „Kohlen-Escher“ nennt, sehr vertraut. Dabei war doch die „Kohlen-Ära“ nur ein Abschnitt der langen Familiengeschichte der Eschers.
Zu Hause seit über 100 Jahren
Hier in der Köppelsdorfer Straße 104 sind sie nun schon über 100 Jahre beheimatet. Doch Fuhrleute und Transportunternehmer waren sie schon, als sie noch mitten in Sonnebergs Unterer Stadt, unweit der damaligen „Baufeldsecke“ (Kreuzung Bahnhof-/Köppelsdorfer Straße; heute Piko-Platz) saßen. Escher: „Trotzdem: Das mit der Kohle kam aber erst viel später.“
Es war Urgroßvater Carl Escher, der um 1900 das alte Haus abtragen, in die Grube bringen und dort auf ein frisch aufgemauertes Erdgeschoss wieder aufsetzen ließ. Hier saß Escher nun direkt an der Chaussee nach Neuhaus (-Schierschnitz) und unweit seiner Besitzungen am Schönberg – unter anderem der Sandgrube und dem Steinbruch in dem, nach der Familie benannten Eschersgrund. „Aus dem Steinbruch wurden Sandsteine gewonnen, die unter anderem für Brückenbauten in Oberlind und Heubisch, aber auch für Sanierungsarbeiten an den Kirchen von Gefell, Mupperg und Oberlind Verwendung fanden“, erzählt Siegfried Escher, Geburtsjahr 1928, alte Familienüberlieferungen wiedergebend. Der heutige Rödnerweg wurde damals – wegen der auf ihm bewegten Sand-Transporte aus der Escherschen Grube – im Volksmund „Sandweg“ genannt.
Zu jenen Zeiten wurden alle Transporte noch mittels Pferdefuhrwerken abgewickelt. Siegfried Eschers Großvater Carl Wilhelm und sein Vater Armin (1889-1978) verfügten über bis zu acht. Transportiert hat man Holz, Gesteine und Sand. Escher: „Oft ging die Fahrt hinüber nach Kemmaten bei Neustadt. Dort wurden die Ladungen aus Lind gegen solche aus Gips und Kreide eingetauscht, die die in Kemmaten ansässige Firma Hugo Hein zur Verfügung stellte. Diese Fuhren gingen wieder ins Sonnebergische und sogar bis Pressig.
Eschers machen (auto)mobil
Dann, Mitte der 20er Jahre, schlossen die Eschers Steinbruch und Sandgrube und verkauften ihre Grundstücke im Eschersgrund an Mitarbeiter ihrer Firma. Sie selbst stellten sich neuen unternehmerischen Herausforderungen. Vater Armin nahm 1932 den Kohlehandel auf und ab 1935 firmierte man unter „Holz- und Kohlehandlung Escher“. Der Sohn erinnert sich: „1934 oder 1935 kam dann der erste Lkw auf den Hof – ein vollgummibereifter MAN mit Kettenantrieb aus der Maschinenfabrik Augsburg. Er konnte fünf Tonnen transportieren. Alsbald kamen noch zwei weitere MAN hinzu. Einen davon haben wir zum Kipper umgebaut, welcher per Handbetrieb mittels Zahnstangengewinde betrieben wurde.“
Siegfried hatte eine arbeitsreiche Jugend, da alle drei Eschers-Kinder – der ältere Bruder, die jüngere Schwester und er selbst – schon früh mit anpacken mussten. Denn Vater betrieb neben der Firma auch noch Landwirtschaft. „Wir hatten neben den Pferden auch Kühe, Schafe und Ziegen. Wir mussten alle füttern und mit der Sense Viehfutter mähen. Zudem war in der Kohlehandlung zu helfen. Alles passierte mit den Händen. Wir kannten kaum Sonn- oder Feiertage. Schulbildung – ich ging in die Linder Nordschule (heute Grundschule Grube) – war Nebensache. Nach meiner Schulentlassung durfte ich aber wenigstens ein Jahr Handels- und Aufbauschule absolvieren.“
Dann Krieg! Siegfried musste – wie der Bruder und der Vater (der schon im Ersten Weltkrieg bei Verdun eine Gasvergiftung erlitten hatte) – auch einrücken. Selbst die Schwester wurde als Luftwaffenhelferin noch in den Krieg verwickelt. Siegfried wurde von Partisanen gefangen genommen, entfloh diesen im Frühjahr 1945 aber und kehrte – in mehrmonatiger Fußwanderung – nach Thüringen heim.
Ausquartiert und geplündert
Endlich wieder zu Hause, traute er seinen Augen nicht: Nachdem die Amerikaner in Sonneberg eingerückt waren und die B 89 für Monate zur Nachschubstraße wurde, hatten sie das elterliche Gehöft konfisziert und dort eine Reparatur- und Servicestation für Kfz eingerichtet. Außerdem quartierte hier der Feldkaplan der „Amis“. Gegenüber dem Eschershaus, im Spindlers-Garten (heute Günter Schwämmlein), hatten sie viele Fahrzeuge geparkt. „Meine Mutter wurde ausquartiert und musste in unsere Werkstatt im Langen Weg 13 umziehen, wo sie monatelang unter schwierigsten Bedingungen kampierte. Wir Kinder und Vater waren noch verschollen. Er war als Volkssturmmann bei Prag von den Tschechen geschnappt worden und befand sich nun in sowjetischer Gefangenschaft. Mein Bruder, Kämpfer in Rommels Nordafrika-Korps, saß in einem Camp in Texas. Meine Schwester war in Dänemark interniert. Und von mir fehlte auch jegliches Lebenszeichen“, so Escher.
Aber es sollte noch schlimmer kommen: Als die Rote Armee die „Amis“ abwechselte, zogen ins Eschershaus Sowjetsoldaten ein. Sie ließen den im nahen Siemens-Schuckert-Zweigwerk (spätere EIO) befreiten Zwangsarbeiterinnen freie Hand. Diese plünderten gemeinsam mit ihnen das Haus. Escher über das, was er vorfand: „Alles, was nicht niet- und nagelfest war, war fort, vernichtet, verbrannt – auch kein Tier mehr auf dem Hof, kein Futter, keine Vorräte! Im Haus fand ich nur noch eine halbe Treppe vor. Heile Fenster waren Mangelware. Ich habe jede Menge Asche und drei Pferdefuhrwerke voller leerer Flaschen entsorgen müssen. Den Wagen dafür hatte ich mir selbst zusammengebaut. Er hatte vier verschiedene Räder – ein kleines, ein großes, ein breites und ein halb defektes!“
Nach und nach trafen auch die anderen Familienangehörigen wieder ein: Escher selbst holte seine aus der Internierung entlassene Schwester per Fahrrad bei einer Freundin in Burg bei Magdeburg ab. Zuhause war man – nach Auszug der Sowjets – zunächst zu dritt: die Mutter, die Schwester und Siegfried. Letzterer widmete sich zunächst dem Ackerbau, um für die Familie „etwas zu beißen“ zu haben. Dem gleichen Ziel diente auch die Wiederaufnahme der Viehzucht. Siegfried:: „Von einer Familie aus Mönchsberg bekam ich eine Kuh mit Kalb. Dazu kaufte ich zwei Ferkel – auf Pump! Die Schulden habe ich später mit Naturalien abgegolten.“
Eines Tages kam endlich auch Nachricht von Vater: Er musste in einem Bergwerk beim sibirischen Karaganda arbeiten. Die Erschütterung angesichts seines Zustands bei seiner Heimkehr, steht dem Sohn noch heute ins Gesicht geschrieben: „Als Vater ankam, einen groben Jute-Sack mit seinen wenigen Habseligkeiten auf dem Rücken, war er kaum wiederzuerkennen. Er war völlig kahl, ausgezehrt, krank und unterernährt. Erst Mutters hingebungsvolle Pflege erweckte ihn zu neuem Leben.“
Glücklicherweise hatte wenigstens einer der Escher‘schen MAN-Lkws die Kriegszeiten überlebt. Mit dem einstigen U-Boot-Fahrer Harry Licht bemannt, ging dieser nun wieder auf Fuhr-Tour. Escher: „Ich glaube es war der erste Lkw, der im Nachkriegs-Sonneberg wieder lief.“ Wohl auch deshalb bekam Siegfried eines Tages von Bürgermeister Willy Geyer den Auftrag, nach Roßbach bei Weißenfels zu fahren, um dort Kohle zu holen – jeweils 100 Zentner pro Fuhre. Bald lagen so wieder große Kohlenhaufen auf dem Hof. Dorthin eilten die Bedürftigen mit Hand- und Kinderwägen, um den ihnen per Bezugsschein zugebilligten Zentner Kohle abzuholen
Das Eigenbau-Kohlesilo wurde nach Geschäftsaufgabe abgerissen.
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„Kohle-Einfuhr dieser Art haben wir so etliche Mal praktiziert“ erinnert sich Siegfried Escher. Dann machte man jenes Fahrzeug wieder flott, welches Escher „ein Beuteauto“ nennt. Denn den Lkw der Marke General McCormick hatte man 1945 den „Amis“ abgeluxt und unter Strohballen gut versteckt. Nun wurde er mittels eines notdürftig zusammengebauten Ford-Motors wieder zum Laufen gebracht. Dieses, mit Treibstoff vom „Benzin-Heublein“ (Hans Heublein) aus Steinbach (später Pressig) betanktes Unikum, konnte auch per Holzvergaser betrieben werden. Mit ihm erledigte Escher viele Versorgungsaufträge im ganzen Kreis. Er berichtet: „Beispielsweise holten wir damit Zucker aus Halberstadt und Fleisch aus Niederpöllnitz.“
Eigenes Kohlensilo gebaut
Die Jahre vergingen und der Familienbetrieb entwickelte sich, nahm als Brennstoffhandel, Fuhr- und Versorgungsbetrieb einen neuen Aufschwung – trotz der sich inzwischen immer stärker auswirkenden restriktiven Maßnahmen des DDR-Regimes gegen Privatunternehmen. Die Anlieferung verschiedenster Versorgungsmaterialien und die Auslieferung von Fertigwaren der sich entwickelnden DDR-Industrie weit über die Kreis- und Bezirksgrenzen hinaus ließen das Eschersche Unternehmen zu einem unverzichtbaren Stützpfeiler der regionalen und überregionalen Infrastruktur werden. Denn schon bald kamen Fahrzeuge des stetig anwachsenden Fuhrparks republikweit zum Einsatz – als Verstärkung für den Winterdienst in und um Ost-Berlin, für die Zuckerrübenernte in der Magdeburger Börde oder für die Getreide- und Kartoffelernte in Mecklenburg. Aber auch der regionale Winterdienst wurde unterstützt. Escher: „Wir erledigten ihn von Gräfenthal bis nach Rotheul und Bachfeld.“ Norbert Heymann, heute Leiter des Straßenverkehrsamtes im Landratsamt und damals Abteilungsleiter Güterumschlag in der Spedition des Kraftverkehrs, bestätigt: „Hätten wir Escher nicht gehabt, hätte oft vieles stillgestanden.“ Damals verfügte dessen Fuhrpark über bis zu
39 Fahrzeuge, Lkw nahezu aller gängigen Marken. Für die meisten Landkreisbewohner – selbst die im Sperrgebiet und der 500-Meter-Zone – war Siegfried Escher von nun an vor allem eines: der „Kohlen-Escher“. Persönlich konstruierte er ein Kohlen-Silo mit einer Aufnahmekapazität für 50 Tonnen, das über eine ebenfalls eigenkonstruierte automatische Absackanlage verfügte. Escher: „In dieser befanden sich Schüttelroste mit Sieben, durch die der Kohlengruß abgesondert wurde. Dieser Abrieb wurde in die Ziegeleien, ins Brauhaus und sonstige Betriebe gebracht – zum Beimischen in deren Feuerungsanlagen. Eschers Silo-Konstruktion wurde auch andernorts in der DDR nachgebaut. Vom Silo aus ging der Wärmelieferant – in der Regel minderwertigste Braunkohle aus dem Raum Leipzig/Halle – abgepackt in von der Weberei Zwickau gefertigten nässeunempfindlichen Kokos-Säcken auf Reisen zu den Endabnehmern. Die Fasern zur Herstellung dieser Säcke hatte Escher extra aus Rostocks Überseehafen geholt. Die besseren Kohlen aus dem Lausitzer Raum waren hingegen vor allem den DDR-Ballungszentren vorbehalten.
Noch heute verwundert es Escher, wie seine Nachbarn die Nebenwirkungen seines Kohle-Im- und -Exports ertrugen: „Die haben viel mitgemacht, denn wenn sie Freitagnachmittag ihre Fenster geputzt oder die Wäsche rausgehängt hatten, wurde beides schnell grau.“
Man transportierte aber jährlich nicht nur 5 000 bis 6 000 Tonnen Kohle, sondern auch unzählige Tonnen Endprodukte hiesiger volkseigener Betriebe – zum Beispiel in der Steinacher Göritzmühle gefertigte Ampullen. Eschers Fuhrpark unterstützte zudem solch wichtige auswärtige Betriebe wie die Weimarer und Eisenacher Autowerke oder die Zuckerfabrik Wandersleben. Wenn man Ersatzteile benötigte, wurden solche auch relativ schnell besorgt. Und Ersatzteile brauchten sowohl der Kraftverkehr als auch die Armee, selbst die bei Mengersgereuth-Hämmern stationierten Sowjetsoldaten. Für letztere wurden hauptsächlich Schweiß-, Schlosser- und Reparaturarbeiten erledigt. Escher versorgte sie alle. Mitten in der DDR-Mangelwirtschaft litt man bei ihm unter Mangel eigentlich nie, denn hier wurde die tagtägliche „Versorgungsschlacht“ noch erfolgreich geschlagen. Escher: „Wir hatten immer das zur Verfügung, was wir brauchten, improvisierten aber auch viel. Meine Fahrzeuge waren immer einsatzbereit. Wir sprangen auch viele Male für andere in die Bresche, halfen Kraftverkehr, Feuerwehr und volkseigenen Betrieben und garantierten so die Versorgung unseres, Grenzkreises Sonneberg. Ich bin der Überzeugung, dass wir damals genau so gut und effektiv wirtschafteten wie manches zeitgenössische bundesrepublikanische Transportunternehmen.“
Allerdings gab es auch „schwarze Stunden“: So als einer seiner Fahrer in Sonneberg eine Fußgängerin überfuhr. Escher: „Es stellte sich jedoch heraus, das sie ihm ins Auto gelaufen war und so wurde Roland Siegel vor Gericht freigesprochen.“ Und dann war da noch die Tragödie von Wilfried Wirsching: Der war gerade auf der Autobahn Richtung Chemnitz unterwegs, um eine Ladung Ampullen von Steinach nach Plauen zu bringen, als ihn ein Herzschlag ereilte und sein Lastzug in einen anderen krachte. Im folgenden Inferno brannten beide völlig aus. Escher: „Der Tod meines geschätzten Mitarbeiters verdeutlichte, wie die ununterbrochenen Einsätze unsere Personalkräfte langsam überforderten.“
„Mal muss Schluss sein“
Dabei hatte auch der mit unzähligen DDR-Auszeichnungen bedachte Siegfried Escher durchaus Reibungspunkte mit den damaligen Machthabern. Er erinnert sich: „Eines Tages hieß es: Deine Firma wird bald verstaatlicht. Du selbst sollst Fuhrparkleiter für Lkw und Busse im VEB Kraftverkehr werden. Das konnte mich allerdings nicht locken. Ich wollte den Ministerratsbeschluss sehen, der Enteignungen solcher Art legitimiert, und konsultierte in Berlin die staatlichen Organe. Dort bestätigte man mir die Enteignungspläne. Letztendlich scheint nur der Fakt, dass ich andeutete, dann eben in den Westen zu gehen, die weitere Existenz unseres Unternehmens als Privatbetrieb garantiert zu haben.“
Umso schmerzlicher war für Escher, als ihm der Bürgermeister eines Tages mitteilte, dass sein Sohn Axel die Ausreise beantragt habe. Er versuchte, ihn noch umzustimmen, sollte dieser doch mal den väterlichen Betrieb fortführen – vergeblich! Man ließ den Sohn, der Kfz-Schlosser gelernt hatte – als Bausoldat – noch seinen Wehrdienst absolvieren und schob ihn dann, binnen 24 Stunden, ab. Der Vater: „In dieser kurzen Zeit gelang es ihm, nach Sonneberg zu kommen und hier seine Lebensgefährtin zu heiraten, die ebenfalls die Ausreise beantragt hatte.“ Nun trennten sich die Wege von Vater und Sohn für viele Jahre. Letzterem gelang es, durch zielstrebige Arbeit und Fleiß, in München einen Fahrzeughandel aufzubauen. „Und sein Ehebund von damals hält noch heute“, vermerkt der Vater stolz
Mit Grenzöffnung und Wende begann auch für Siegfrieds Betrieb eine völlig andere Zeit. Escher: „Mit unseren DDR-Fahrzeugen waren nun keine Preise mehr zu gewinnen. So versuchte ich, durch Anschaffung modernerer und größerer Fahrzeuge die neuen Herausforderungen zu meistern. Doch bin ich wenige Jahre später – auch bedingt durch mein vorgerücktes Alter und den immer härter werdenden Konkurrenzkampf – zur Auffassung gekommen: Es muss einmal Schluss sein. 1997 meldete ich schließlich mein Gewerbe ab, löste die Firma mit Hilfe meines guten Bekannten Helmut Ruden auf und ging in den Ruhestand.“
Ruhestand? – Von wegen!
Ruhestand? – Von wegen! Hier untertreibt Siegfried Escher.
Seit Jahren ist er Ehrenpräsident des Deutschen Brennstoffhandelverbandes, zudem Mitglied im Fuhrunternehmerverband und auch noch Vorsitzender der Garagengemeinschaft Ernst-Moritz-Arndt-Straße (104 Garagen) Escher: „All das macht mir viel Freude. Vor allem, weil ich in diesen Positionen Tacheles reden kann. Aber diese Tätigkeiten sind für mich aber auch mit vielen Reisen verbunden. Ich fahre nach wie vor selbst.“
Furchtbar: Immer wieder landen Sand und Geröll im Hof. Fotos: Privat
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Aufregen tut ihn allerdings, was mit der B 89 direkt vor seiner Haustür passierte. Dass bei der großen Naturkatastrophe von 1977 tonnenweise Schotter und Sand in seinen Hof gespült wurden, nahm er ja noch als gottgegeben hin. Nicht aber, dass man – als die B 89 vorm Haus saniert wurde – einfach einen Teil der Gullys wegrationalisierte. Dadurch können die den Schönberg herab kommenden Hangwässer nicht mehr voll abgeführt werden. Diese und alles, was sie mit sich bringen, landet auf seinem Hof. So erst wieder vergangenen Sommer. Eschers bissiger Kommentar: „Scheinbar haben unsere Vorfahren nichts gekonnt, als sie die Straße anlegten – und die ,Neudeutschen“ wissen es heute besser. Dabei packen sie es – obwohl sie über modernste Technik verfügen – noch nicht mal, die neuen Abwasserschächte frei zu halten.“
Was ihn aber besonders wurmt: „Hilfe vom Straßenverkehrsamt in Zella-Mehlis kam nicht. Diese Einrichtung hat noch nicht mal auf Anschreiben geantwortet! Nur Wasserwerksleiter Bernd Hubner und Stadtbaudirektor Heiko Voigt haben sich die Schäden angesehen – mehr aber auch nicht, obwohl doch Stadt, Landkreis und Land gegen Wasserschäden versichert sind. Eine Vergütung für meine horrenden Aufwendungen zur Schadensbeseitigung kam von keiner Seite – auch kein Dankeschön!“
Er selbst hat hingegen auch vor Ort durchaus etwas bewegt:
Der am Haus vorbeiführende Schulweg (Eschersgasse) hat nun einen sehr soliden Belag, nachdem er ihn – freiwillig und persönlich – schon x-mal Mal geschottert und asphaltierte hatte. Auch sein Haus, in dem auch Tochter Gerdi – sie ist Versicherungskauffrau – wohnt, hat er modernisiert.
Egal wo man ihn braucht
Allerdings überkommt ihn in letzter Zeit schon ab und an der Gedanke, sich endlich tatsächlich zur Ruhe zu setzen. Schon bald ist dieser aber wieder verflogen – spätestens dann, wenn der nächste Anrufer ihn um Hilfe bittet in seiner Funktion als geschätztes Sprachrohr der Kohlenhändler und Fuhrunternehmer. Dann dauert es oft nur Stunden und Siegfried rollt wieder vom Hof – hinaus auf die B 89 und dann sonst wohin in Deutschland.
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